Wer mich fragt, wie ein Fintech-Praktikum in Lissabon wirklich abläuft, bekommt von mir zuerst diese eine Zahl: Ich bin mit rund 950 bis 1.050 EUR pro Monat ausgekommen, WG-Zimmer und Navegante-Karte inklusive, und durch die Erasmus+ Förderung war mein echter Eigenanteil deutlich kleiner. Hier ist der Rest der Geschichte, ohne Hochglanz.
Wie bin ich überhaupt an das Praktikum gekommen?
Ich wollte nach dem vierten Semester raus aus Wien, aber nicht ins Nichts. Lissabon stand auf meiner Liste, weil sich dort in den letzten Jahren rund um das Web-Summit-Umfeld eine echte Startup- und Fintech-Szene gebildet hat. Viele dieser Firmen sitzen in den ehemaligen Industriehallen von Beato und Marvila, im Osten der Stadt.
Ich habe mich über die Plattform von Internship Abroad registriert, ein Profil ausgefüllt und meine Richtung beschrieben: Datenanalyse, Produkt, Fintech. Ein paar Wochen später hatte ich ein Gespräch mit einem Startup, das eine App für automatisiertes Sparen baut. 35 Leute, davon ungefähr die Hälfte nicht aus Portugal. Genau mein Format.
Was habe ich dort tatsächlich gemacht?
Kaffeeholen war nicht dabei. Ich war im Data- und Produktteam, fünf Leute, und durfte vom ersten Monat an mit echten Nutzungsdaten arbeiten. Meine Aufgaben: Dashboards in Looker bauen, A/B-Tests auswerten, und für das deutschsprachige Onboarding der App texten. Mein Deutsch war hier ein konkreter Vorteil, weil das Startup gerade den DACH-Markt vorbereitete.
In fünf Monaten habe ich mehr über echte Produktentscheidungen gelernt als in zwei Semestern Theorie. Nicht weil die Uni schlecht ist, sondern weil hier alles sofort Konsequenzen hatte.
Arbeitssprache war durchgehend Englisch. Standup um 10:00, Mittagessen oft gemeinsam in einer der Hallenkantinen, Feierabend meist gegen 18:30. Portugiesisch habe ich nebenbei aufgeschnappt, gebraucht habe ich es im Büro nie.
Was kostet das Leben in Lissabon wirklich?
Lissabon ist nicht mehr die Billigstadt, als die es manche noch im Kopf haben. Die Mieten sind in den letzten Jahren spürbar gestiegen. Trotzdem ist es für eine westeuropäische Hauptstadt machbar, vor allem mit WG. Das war mein realer Monat:
| Posten | Pro Monat |
|---|---|
| WG-Zimmer (Arroios, geteilte Wohnung) | 480 EUR |
| Lebensmittel und Kochen | 250 EUR |
| Navegante-Monatskarte (Metro, Bus, Tram) | 40 EUR |
| Handy und Internetanteil | 20 EUR |
| Freizeit, Essen gehen, Sonstiges | 180 EUR |
| Summe | 970 EUR |
Ein paar Notizen dazu. Das WG-Zimmer für 480 EUR war im Mittelfeld, in Arroios bekommt man von rund 400 EUR aufwärts ein Zimmer in einer geteilten Wohnung. Die Navegante-Monatskarte für die Metropolregion kostet 40 EUR und gilt für Metro, Bus, Tram und Nahverkehrszüge. Wer unter 23 ist und an einer portugiesischen Schule eingeschrieben ist, fährt sogar gratis, das galt für mich als ausländische Praktikantin allerdings nicht.
Wie viel davon hat die Erasmus+ Förderung übernommen?
Mein Praktikum lief als Erasmus+ Traineeship, abgewickelt über das International Office meiner FH und den OeAD. Portugal liegt in der mittleren Länderkostengruppe des Programms. Wichtig zu wissen: Praktika bekommen gegenüber reinen Studienaufenthalten einen monatlichen Zuschlag, weil bei einem Praktikum keine Unterkunft über eine Gasthochschule bereitsteht.
Die genaue Monatsrate veröffentlicht der OeAD und sie kann sich pro Studienjahr ändern, deshalb nenne ich hier bewusst keine Phantasiezahl. Mein Tipp: Frag dein International Office oder schau direkt beim OeAD nach der aktuellen Erasmus+ Rate für Portugal. Bei mir hat die Förderung einen großen Teil von Miete und Karte abgedeckt, der Rest kam aus Erspartem.
Welche anderen Förderungen gibt es für österreichische Studierende?
Erasmus+ war für mich der Hauptkanal, aber nicht der einzige Topf, den es gibt. Diese drei sind für österreichische Studierende relevant:
| Programm | Wofür |
|---|---|
| Erasmus+ Traineeship | Praktika in EU- und Programmländern, monatliche Rate plus Reisekostenanteil |
| OeAD-Stipendien | Ergänzende Mobilitäts- und Aufenthaltsförderungen über den OeAD |
| Marshallplan-Stiftung | Speziell für Aufenthalte und Praktika in den USA |
Erasmus+ und ein OeAD-Stipendium lassen sich nicht immer doppelt für denselben Zweck beziehen. Deshalb lohnt sich vor der Bewerbung ein Gespräch im International Office deiner Hochschule.
Würde ich es wieder machen?
Sofort. Lissabon hat mir nicht nur eine Zeile im Lebenslauf gegeben, sondern fünf Monate, in denen ich echte Verantwortung getragen habe, in einem internationalen Team, in einer Stadt, die im Winter Sonne hat. Die Mieten sind hoch, das Tempo manchmal portugiesisch entspannt, und trotzdem würde ich keine Woche tauschen.
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